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  Über Carl Traugott Queißer, Musiker...
"Der Posaunengott" mehr Infos...       

In einer Beschreibung der Leipziger Orchesterverhältnisse wählte kein Geringerer als Robert Schumann diesen Superlativ, um seiner Bewunderung für den Posaunisten Carl Traugott Queißer Ausdruck zu verleihen. Wer war dieser Carl Traugott Queißer? Wie ist diese Begeisterung von Schumann zu erklären?

Am 11. Januar 1800 erblickte Carl Traugott Queißer im Gasthof Döben "abends um 9 Uhr", das Licht der Welt. Sein Vater, Carl Traugott Benjamin Queißer, hatte hier 1797 geheiratet und war zu dieser Zeit herrschaftlicher Bediensteter auf dem Schloss Döben. Um die Jahrhundertwende wird Queißer senior den Gasthof gepachtet und später erworben haben, denn er ist im Taufbuch der Kirchengemeinde Döben bekannt als "Pachtinhaber der hiesigen Schankwirtschaft". Selbst Sohn eines Organisten und Schulmeisters veranstaltete er regelmäßig Konzerte und Tanzmusik im Gasthof und zog somit Publikum aus der ganzen Region zu sich.

So kam unser späterer Posaunist schon frühzeitig mit der verschiedensten Musik in Berührung. Sein Vater erkannte seine Begabung und schickte ihn 1811 zum Stadtpfeifer August Barth nach Grimma in die Lehre. Hier musste er die üblichen Instrumente erlernen und erhielt eine vielfältige Ausbildung, wie sie heute kaum noch vorstellbar ist… 1817 schickt sein Lehrmeister den jungen Queißer zum Stadtmusikus Wilhelm Leberecht Barth nach Leipzig "in Condition"… Beim besten Leipziger Geiger dieser Zeit, Konzertmeister Matthäi, nimmt er Violinenunterricht. Auf diesem Instrument bestens ausgebildet, wird er 1824 "in Concert, Theater und Quartett" angestellt als "Erster Violaspieker". Heute würden wir sagen, er wurde Solobratscher im Gewandhausorchester…

1820, noch während seiner Zeit beim Stadtmusikus Barth, bekam Queißer seine erste Auftrittsmöglichkeit als Posaunensolist beim Gewandhausorchester.

Der Kritiker der "Allgemeinen musikalischen Zeitung" schreibt darüber: " … fand mit Recht einstimmigen Beyfall. Er bezwingt nicht nur große Schwierigkeiten auf dem sonst unbehülflichen Instrumente, sondern spielt auch vollkommen rein, präcis und mit angenehm überraschender Delicatesse."

Damit hatte eine Karriere als Posaunist ihren Anfang genommen, die bis auf den heutigen Ta ihresgleichen sucht… Am 28. September 1822 wurden Dorothea geb. Händel (die Enkelin des Besitzers der Ausflugsgaststätte "Kuchengarten") und Carl Traugott Queißer in der Schönefelder Kirche getraut… Dem Ehepaar wurden 7 Kinder geboren, von denen jedoch 3 im Kindesalter starben…

In den folgenden Jahren findet sich Queißer nicht weniger als 26 mal als Posaunensolist mit dem Gewandhausorchester, dazu kommen zahlreiche Konzerte als Bratscher des Gewandhausquartetts. Außerdem wird er 1829 zum Mitdirektor des Musikvereines "Euterpe" ernannt und steht diesem jungen Konkurrenzorchester des Gewandhauses zwischen 1841 und 1846 auch als Konzertmeister vor. 1834 wurde er Direktor des vereinigten Stadtmusikchors.

Historische Quellen beschreiben Queißer als sympathischen und bescheidenen Musiker, der schnell Freunde fand. Aus der Freundschaft zu zwei der bekanntesten Komponisten seiner Zeit entstanden auch neue Posaunenkonzerte, die eigens für ihn geschrieben worden sind…

Am 14. Dezember 1837 findet unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy die Uraufführung des Posaunenkonzertes von David statt…

Um sich eine Vorstellung von seinem Spiel zu machen, sei hier nochmals die AMZ zitiert: " Sie kennen Herrn Queißers edelkräftigen, durchaus in allen Lagen des Instruments gleich reinen Ton, dessen bestimmte Deutlichkeit in schnell sich bewegenden Figuren und milden, graziösen Vortrag einfacher Melodien. Sein Fort(e) ist der schönste Orgelton eines wohlmensurirten Posaunenpedals; bey seinem piano cantabile glaubt man einen Meister auf dem Waldhorn zu hören." Neben den zahlreichen Leipziger Konzerten trat er auch deutschlandweit als Solist auf, u.a. in Hamburg, Berlin und Dresden. Es ist außerdem überliefert, dass er auch als Lehrer tätig war und komponierte. Leider sind bisher keine Veröffentlichungen bekannt.

Der Tod Queißers am 12. Juni 1846 löste eine große Betroffenheit unter den Leipziger Musikfreunden aus. Zwei Tage später wurde er unter großer Anteilnahme auf dem alten Johannisfriedhof beigesetzt. Seine Freunde und Bewunderer organisierten zu seinem Gedenken und zur Unterstützung seiner hinterbliebenen mehrere Konzerte, eines davon wurde von 150 Mitwirkenden unter der Leitung von Albert Lortzing vor 4000 Zuhörern im Garten des Schützenhauses gegeben. In einem weiteren Konzert spielten F. David und F. Mendelssohn Bartholdy die Kreutzersonate von Beethoven, um den von ihnen geschätzten Queißer zu ehren.

Der ungekürzte Artikel wurde anlässlich des 200. Geburtstags Queißers in der Musikfachzeitschrift "Triangel" veröffentlicht. Der Verfasser, Sebastian Krause, ist Soloposaunist beim MDR - Sinfonieorchester und dem Wirken Queißers unermüdlich auf der Spur. Mit der Gründung eines eigenen Vereines im Jahre 2000 soll die musikgeschichtliche Bedeutung von Carl Traugott Queißer weiter erforscht und erhalten werden. Eine Gedenktafel am ehemaligen Gasthof auf dem Dorplatz ist ein schönes Zeichen solcher Bemühungen. Wir stellen gern für sie den Kontakt her und freuen uns über jede Information.